
Erste Bikepacking-Tour planen: So gelingt der Einstieg in 60–120 km
Realistische Etappen, bewährte Einsteiger-Routen, die richtige Ausrüstung und die häufigsten Fehler – alles, was du für deine erste Bikepacking-Tour wissen musst.
Ich verdiene über Affiliate-Provisionen. Was ich empfehle, würde ich auch ohne Provision empfehlen; nach welcher Regel ich auswähle, steht in der Methodik dokumentiert.

Das Wichtigste auf einen Blick
- Plane für deine erste Tour 40–60 km pro Tag – mit Gepäck und Pausen bist du 5–7 Stunden unterwegs.
- Flussradwege (Donau, Elbe, Isar, Mur) sind ideal für Einsteiger: wenig Höhenmeter, gute Beschilderung, Campingplätze alle 20–30 km.
- Ein Campingplatz kostet 12–35 € pro Nacht – die günstigste Übernachtungsoption für Touren in DE/AT/CH.
- Wildcampen ist in Deutschland und Österreich grundsätzlich verboten; in der Schweiz oberhalb der Waldgrenze oft toleriert.
- Du brauchst kein Spezialrad – dein vorhandenes Trekking- oder Gravelbike ist für erste Touren vollkommen ausreichend.
- Offline-Karten (OsmAnd oder Komoot mit Download) sind Pflicht – Mobilfunkempfang auf dem Radweg ist nicht garantiert.
- Plane 200–300 kcal extra pro Stunde Fahrzeit ein – dein Energiebedarf steigt mit Gepäck deutlich.
Die erste Bikepacking-Tour ist oft das schwerste und das schönste Erlebnis zugleich. Schwer, weil du nicht weißt, was dich erwartet – wie sich 15 kg Gepäck anfühlen, ob die Ausrüstung passt, ob die Etappen realistisch sind. Schön, weil du nach zwei Tagen auf dem Fahrrad weißt: Das kann ich. Dieser Guide nimmt dir die Planungsarbeit ab und zeigt dir, wie du deine erste Tour von 60–120 km sicher, entspannt und mit dem richtigen Gepäck angehst.
Strecke & Etappen: Wie weit ist realistisch?
Der häufigste Fehler beim ersten Bikepacking: zu viele Kilometer planen. Mit vollem Gepäck fährst du langsamer, machst mehr Pausen und bist abends erschöpfter als gedacht. Die Faustregel für Einsteiger lautet: 40–60 km pro Tag auf flachen Strecken, 30–45 km bei Hügeln.
| Profil | Empfohlene Tagesdistanz | Geschätzte Fahrzeit | Höhenmeter/Tag |
|---|---|---|---|
| Flach (Flussradweg) | 50–70 km | 3,5–5 h | unter 200 m |
| Leicht hügelig | 40–55 km | 4–6 h | 200–500 m |
| Hügelig (Mittelgebirge) | 30–45 km | 4–6 h | 500–900 m |
| Alpin (Pässe) | 25–40 km | 5–7 h | über 900 m |
Warum Einsteiger systematisch zu viel planen
Das 2-Tages-Einsteiger-Setup
Für die erste Tour empfiehlt sich ein Wochenende mit zwei Tagen à 50–60 km – also eine Gesamtstrecke von 100–120 km. Du kannst entweder eine Punkt-zu-Punkt-Strecke mit Zuganreise wählen oder eine Rundroute, die dich wieder zum Startpunkt bringt. Für Einsteiger ist die Punkt-zu-Punkt-Route meist entspannter: kein Umkehrdruck, du fährst immer in eine Richtung.
| Route | Typ | Länge | Höhenmeter | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| Donauradweg (Passau–Linz) | Fluss | ca. 130 km | ca. 500 m gesamt | Europas bekanntester Radweg, durchgehend beschildert |
| Isarradweg (München–Landshut) | Fluss | ca. 70 km | ca. 150 m | Ab München, kurze Zwei-Tages-Tour |
| Bodensee-Radweg (Teilstück) | See | beliebig | flach | Campingplätze alle 10–15 km |
| Elberadweg (Dresden–Meißen) | Fluss | ca. 60 km | ca. 100 m | Kulturell reich, asphaliert |
| Murradweg (Graz–Spielfeld) | Fluss | ca. 70 km | ca. 200 m | Österreich, ruhige Strecke |
Praxis-Tipp
Rückreise: wie du wieder nach Hause kommst
Die Rückreise plane ich vor der Hinfahrt, nicht am letzten Abend. Drei Wege: Der Regionalzug nimmt Räder mit, in den meisten Verbünden mit eigener Fahrradkarte, und die Stellplätze sind begrenzt; an Sommerwochenenden sind die Nachmittagszüge an Flussradwegen voll, ein Zug früher ist die einfachste Abhilfe. Im Fernverkehr brauchst du eine Stellplatzreservierung, und nicht jeder ICE führt Stellplätze; buche sie mit dem Ticket, nicht am Reisetag. Eine Rundroute spart die Frage ganz: Start und Ziel sind derselbe Bahnhof, und die Hinfahrt ist zugleich die Rückfahrt. Was ich weglasse: eine Abholung mit dem Auto einplanen. Sie bindet eine zweite Person an deinen Zeitplan, und der verschiebt sich auf der ersten Tour fast immer. Was Fahrradkarte, Stellplatz und Deutschlandticket kosten und welcher Zug ein Rad aus Italien mitnimmt, steht im Guide zur Rückreise mit dem Rad im Zug.
Routenplanung: So bereitest du deine Tour vor
Eine gute Routenplanung nimmt dir unterwegs den Stress. Du weißt, wo du übernachtest, wo der nächste Supermarkt ist und was bei schlechtem Wetter die Alternative wäre. Zwei bis drei Abende Planungszeit sind für eine erste Tour gut investiert. Wie weit es auf einer langen Strecke zwischen zwei Läden werden kann, zeigt die Auswertung von Wasser und Läden auf 1.256 km von Salzburg nach Rom.
Schritt-für-Schritt-Planung
Ziel und Zeitraum festlegen
Entscheide dich für eine Region und einen konkreten Start- und Zielpunkt. Prüfe die Wettervorhersage für das Wochenende. Buche Bahn-Tickets früh – Fahrradmitnahme im Regionalzug oft nur begrenzt verfügbar.
Route auf Komoot oder Outdooractive planen
Nutze Komoot oder Outdooractive für die Routenplanung. Wähle den Routentyp 'Radtour' oder 'Gravelbike' – nicht MTB. Prüfe das Höhenprofil: Steilanstiege über 10 % machen mit Gepäck keinen Spaß.
Übernachtungsplätze recherchieren
Suche Campingplätze entlang der Route mit camping.info oder ADAC Camping. Plane Etappenziele so, dass du gegen 16–17 Uhr ankommst – Zeit für Zelt aufbauen, kochen, entspannen. Alternativ: Hütten, Gasthöfe oder Warmshowers-Hosts.
Offline-Karte herunterladen
Lade die Karte der Region in OsmAnd oder Komoot vor der Abreise herunter. Teste die Navigation kurz zuhause. Kein Mobilfunk auf dem Radweg ist keine Ausnahme, sondern die Regel.
Testfahrt mit vollem Gepäck
Fahre 1–2 Wochen vor der Tour 15–20 km mit komplett beladenem Bike. So merkst du, ob Taschen scheuern, die Schaltung unter Last funktioniert und du mit dem Gewicht klarkommst.
Warmshowers: Kostenloses Übernachten bei Radreisenden
Werkzeug
Route steht? Prüfe die Versorgung entlang deines GPX.
Du lädst die fertige GPX- oder FIT-Datei hoch und siehst, wo an der Strecke Wasser, Läden, Tankstellen und Schlafplätze liegen und welche zur erwarteten Ankunft offen sind. Keine Routenplanung.
Versorgung prüfenÜbernachtung: Campingplatz, Hütte oder Wildcampen?
Die Übernachtungsfrage ist für viele Einsteiger die schwierigste. Campingplatz ist die sicherste und entspannteste Option — Duschen, Strom zum Laden, geplante Position. Wildcampen klingt verlockend, ist aber in Deutschland und Österreich verboten und für Einsteiger eine unnötige Komplikation. Dazwischen gibt es Nächte, bei denen die Erlaubnis schon vorher feststeht: welche das sind und wie du sie findest, steht im Guide zu legalen Nachtplätzen mit Gastgeber-Plattformen, Trekkingplätzen und Schutzhütten.
| Option | Kosten/Nacht | Verfügbarkeit | Komfort | Für Einsteiger? |
|---|---|---|---|---|
| Campingplatz | 12–35 € | sehr gut, buchbar | Dusche, Strom, WC | ✓ Empfehlung |
| Hütte / Berggasthof | 35–80 € | gut, oft buchbar | Bett, Dusche, Frühstück | ✓ bei schlechtem Wetter |
| Gasthof / B&B | 50–120 € | gut | Komfort, kein Zelt nötig | ✓ als Luxusoption |
| Warmshowers | kostenlos | eingeschränkt, anfragen nötig | variabel | ○ ab Tour 2 |
| Wildcampen | kostenlos | rechtlich problematisch | keine Sanitär | ✗ für Einsteiger |
Wildcampen: Ehrliche Einschätzung für Einsteiger
Vorteile
- Kostenlos – spart 15–35 € pro Nacht
- Flexibel – kein fester Übernachtungsplan nötig
- Naturerlebnis direkt am Wasser oder im Wald
- In der Schweiz oberhalb der Waldgrenze meist toleriert
Nachteile
- In Deutschland und Österreich gesetzlich verboten
- Risiko: Bußgeld bis 500 €, Platzverweis nachts
- Kein Zugang zu Dusche oder Toilette
- Für Einsteiger: Stressfaktor beim Platz suchen
- Unsichere Nacht = schlechter Start in den nächsten Tag
Campingplatz-Tipp
Ausrüstung: Was brauchst du wirklich?
Für eine erste 2-Tages-Tour brauchst du deutlich weniger als du denkst. Das Ziel ist ein Systemgewicht unter 15 kg (Bike + Gepäck + Bekleidung am Körper). Was folgt, ist eine bewusst kurze Liste – kein vollständiges Bikepacking-Setup, sondern ein funktionierendes Einsteiger-Setup. Wer noch ganz am Anfang steht, findet im Anfänger-Guide die Grundlagen; die vollständige Liste nach Tourlänge steht in der Bikepacking Packliste.
| Kategorie | Empfehlung | Gewicht | ca. Preis |
|---|---|---|---|
| Satteltasche | Decathlon Rockrider ADVT 500 (10 l) oder ähnlich | ca. 350 g | ca. 25–40 € |
| Lenkertasche / Drybag | Ortlieb Drybag 10 l + Lenkerhalter | ca. 200 g | ca. 30–50 € |
| Rahmentasche | optional – generische Rahmentasche | ca. 150 g | ca. 20–35 € |
| Schlafsack | 3-Jahreszeiten-Kunstfaser, 800 g Klasse | 700–900 g | ca. 50–100 € |
| Isomatte | aufblasbar, R-Wert 2+ | 350–500 g | ca. 40–80 € |
| Zelt oder Bivy | 2-Personen-Zelt (Solo nutzen) oder Bivy | 1.000–2.000 g | ca. 80–200 € |
| Regenjacke | wasserdicht (10.000 mm+), packbar | 300–500 g | ca. 50–150 € |
| Werkzeug & Pannset | 2 Schläuche, Hebel, Mini-Pumpe, Multitool | ca. 400 g | ca. 20–40 € |
| Verpflegung (1 Tag) | Riegel, Nudeln, Frühstück, Snacks | ca. 1.200 g | ca. 10–15 € |
| Wasser (1,5 l) | Faltbare Flasche oder normale PET-Flasche | ca. 1.500 g | — |
| Gesamt (ca.) | — | ca. 6.150–7.700 g | ca. 325–710 € |
In der Summe nicht enthalten: Wasser (1,5 l) (ohne Angabe).
Leih- und Secondhand-Option für Einsteiger

Sicherheit: Was du wissen musst, bevor du losfährst
Bikepacking auf ausgeschilderten Radwegen ist grundsätzlich sicher – aber ein paar Vorkehrungen schützen dich vor den häufigsten Problemen. Teile immer deine Reisepläne mit jemandem zuhause: Route, geplante Übernachtung, Rückkehrzeitpunkt.
| Land | Notruf allgemein | Polizei | ADAC / ÖAMTC / TCS |
|---|---|---|---|
| Deutschland | 112 | 110 | 0800 5 10 11 12 (ADAC) |
| Österreich | 112 | 133 | +43 1 25 120 (ÖAMTC) |
| Schweiz | 112 | 117 | 0800 809 333 (TCS) |
Pannset-Mindestausstattung
Weitere Sicherheitsaspekte
- Licht: Vorder- und Rücklicht sind in Deutschland Pflicht – auch tagsüber empfohlen. USB-aufladbare Lichter mit mindestens 6-Stunden-Akku wählen.
- Helm: Kein Gesetz, aber Pflicht für dich selbst. Ein normaler Fahrradhelm genügt.
- Versicherung: Haftpflichtversicherung prüfen – viele Haushaltsversicherungen decken Fahrradschäden an Dritten ab.
- Fahrradschloss: Leichtes Faltschloss (ca. 300 g) für Kaffeepausen. Nachts das Bike ans Zeltheringe-Gestänge sichern.
Ernährung: Wie viel musst du essen?
Mit Gepäck verbrauchst du deutlich mehr Energie als bei einer normalen Radtour. Rechne mit 500–700 kcal pro Stunde Fahrzeit statt der üblichen 300–400 kcal. Bei einem 6-Stunden-Fahrtag mit Gepäck brauchst du also 3.000–4.200 kcal – plus deinen Grundumsatz.
Kochen am Campingplatz vs. Restaurants
Vorteile
- Selbst kochen: 5–10 € pro warme Mahlzeit statt 15–25 € im Restaurant
- Nudeln, Couscous und Kartoffelpüree aus dem Supermarkt sind leicht und kalorienreich
- Ein Gaskocher (ca. 30 €) + Kartuschen (ca. 5 €) reicht für 2 Tage locker
- Frühstück am Campingplatz selbst zubereiten spart täglich 8–15 €
Nachteile
- Kocher + Topf + Kartusche = ca. 500 g Mehrgewicht
- Viele Campingplätze haben einfache Küchen – Kocher dann optional
- Auf kurzen Touren (2 Tage) zahlt sich der Kocher kaum aus
- Supermarkt muss auf der Route liegen – vorher prüfen
Verpflegungsstrategie für Einsteiger
Die 8 häufigsten Fehler bei der ersten Bikepacking-Tour
Zu große Tagesetappen planen
80–100 km an Tag 1 klingen machbar – mit 15 kg Gepäck, Gegenwind und Orientierungsstopps bist du nach 60 km fertig. Halbiere deine gewohnte Tagesleistung als Ausgangspunkt.
Auf Wildcampen setzen ohne Rückfallplan
Wildcampen ist in DE/AT verboten. Wenn du trotzdem darauf setzt und keinen Platz findest, stehst du um 20 Uhr ohne Übernachtung da. Immer einen Campingplatz als Backup reservieren.
Kein Offline-Backup für Karten
Der Donauradweg ist gut beschildert – bis die Schilder aufhören oder du eine Abkürzung nehmen willst. Ohne Offline-Karte bist du aufgeschmissen, sobald der Mobilfunk wegfällt.
Vollgas am ersten Tag
Die erste Stunde fühlt sich leicht an – nach 4 Stunden merkst du die Knie und den ungewohnten Sattel. Fahre die ersten 2 Stunden bewusst langsam, bis du den Rhythmus mit dem Gepäck gefunden hast.
Pannset vergessen oder nicht üben
Eine Reifenpanne ist keine Katastrophe – wenn du weißt, wie man einen Schlauch wechselt. Übe es einmal zuhause. Mit einem leeren Reifen auf dem Radweg ohne Übung wird es Stress.
Verpflegungslücken unterschätzen
Auf dem Donauradweg gibt es zwischen Engelhartszell und Aschach keinen Supermarkt über 30 km. Prüfe auf komoot oder maps.me, wo Supermärkte und Bäckereien auf deiner Route liegen – und trage immer Reserveriegel mit.
Keine Testfahrt mit vollem Gepäck
Eine Satteltasche, die im Stand toll sitzt, kann beim Fahren den Hinterrad-Betrieb beeinflussen oder am Reifen scheuern. Mach eine 15-km-Testfahrt mit allem Gepäck 1 Woche vor der Tour.
Schlechtes Wetter ignorieren
3 Tage Regen in der Wettervorhersage, aber los fahren wegen 'wird schon werden'. Bikepacking im Dauerregen ist möglich – aber kein Spaß für die erste Tour. Verschiebe lieber 1 Woche als mit Frust anzufangen.
Häufige Fragen zur ersten Bikepacking-Tour
Ausrüstung
Ausrüstung für deine erste Tour zusammenstellen
Die Sets nennen für jede Position ein Produkt mit Grund, Quelle und Prüfdatum — oder sagen, dass ich dort nichts empfehle. Preise und Gewichte einzeln abgelesen.
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